Die
Geschichte der Familie von Marnitz.

In Mecklenburg, in der Nähe von Parchim, liegt auch das Dorf
Marnitz, das wahrscheinlich der Familie ihren Namen gegeben hat. Marnitz war
schon vor der Deutschen Kolonisierung eine Burgstandort der Slawen, den später
die Falie der Grafen von Dannenberg besaß. Urkundlich belegt ist, dass die Burg
Marnitz im Jahre 1275 an die Grafen von Schwerin verpfändet wurde. Es ist nicht
bekannt welche Familie in der nachfolgenden Zeit im Besitz der Burg waren.
Marnitz liegt im Südosten von Mecklenburg und wirtschaftliche Probleme
entstanden hier im Mittelalter durch Grenzkonflickte mit Brandenburg und die
Pest. Oft führten solche Umstände dazu, dass adelige Familien ihren Besitz
aufgaben und sich in den Städten ansiedelten, zumal das Leben hier
interessanter und abwechslungsreicher war, als auf den Burgen.
Die Beschreibung von „Marnitz“ in Zedlers Universal-Lexicon
aus der Zeit um 1750 und das auf Siegeln überlieferte Familienwappen, dass die
Familie als turnierfähige Ritter und Burgbesitzer ausweist, lassen vermuten, dass die Familie den
Burgbesitz in Marnitz aufgab und sich in Grabow niederließ, wo sie als
Ratsfamilie eine herausgehoben Rolle inne hatte. Die Untermauerung dieser These
und die Familienforschung wird leider dadurch erschwert, dass nur wenig
Archivmaterial über Marnitz vorhanden ist und in Grabow beim großen Stadtbrand
vom 3.6.1725 nicht nur fast alle Gebäude, sonder auch fast alle Akten des
Stadtarchivs ein Opfer der Flammen wurden. Nach den Kirchenberichten 1588 wird
ein Heinrich Marnitz als Besitzer eines Grundes in Grabow genannt. Die
Marnitzen gehörten zu den Ratsfamilien der Stadt Grabow. Aus dem Studium der
Akten der Stadt Grabow kann man erkennen, dass die Familie Mann, aus der später
die Schriftsteller Heinrich und Thomas Mann hervorgingen erst durch die
Einheirat in die alte Familie Marnitz zu Vermögen und Ratsfähigkeit gelangte.
Nach den Kirchenbüchern, beginnend 1640, sind damals 4 nah verwandte Zweige in
Grabow ansässig gewesen.
1. Joachim Marnitz, dessen Witwe ¥ 30. XI. 1641 Erdmann Baumann und deren Sohn Joachim M., t
1681 als Schuhmacher.
2. Joachim Marnitz, Schneider und
Ratsverwandter, t 1659, ? 20.11., der einen Sohn Christoph, * 1649, t 1700, so
arm hinterließ, daß dieser nicht einmal genug Mittel hatte, um sich ins
Schneideramt einzukaufen und am 8. VII. 1682 ein Freischneiderprivileg für
Grabow erhielt, das mit seinem Tode erlosch.¥
3. Jakob Marnitz, ein alter Bürger, ? 3.111.1663; dessen
Söhne: a) Jakob * 1647, t 1707, 1693
Ratsherr und Jürgen, * 1649, † 1728, Kaufleute in Grabow waren.†
4. Ebel Marnitz, Ratsherr, ?11. 11. 1666. Sein Sohn Ebel, *
1656, † 1686, war Kaufmann und Ratsherr in Grabow und ¥ 5. XII. 1671 Anna Dorothea Mense aus Parchim, aus welcher
Ehe zwei Söhne: Joachim Lorenz, * 14.2.1677 und Julius, * 16.VI. 1683 stammten.
‑Die Verbindung mit Parchim scheint überhaupt rege gewesen zu sein, indem
außer, der angeführten Heirat Marnitz‑Mense am 26. VI. 1673 der spätere
Ratsherr zu Grabow, Johann Mann aus Parchim, Anna Marnitz(*30.XI.1643, †
29.X.1731), Tochter des Jakob M. aus Grabow, und am 24. X 1695 ein
Schneidergesell Joachim Christian Mense, Ilse Marnitz heirateten. Außer in
Grabow kamen die Marnitz auch in dem nicht weit entfernten Warnow vor, so ¥ 6.XI.1677 zu Grabow, Ulrich Trechow, civis ‑ Maria
Marnitz, selg. Claus Marnitz, gewesenen Hausmanns in Warnow, Tochter.
"Diese Personen sind hier vertrauet und wie die Copulation geschehen, nach
Warnow mit ihren Gästen gefahren, wo selbst sie das Hochzeitsmahl verzehret.«
(K. B. Grabow).
Am 18. X 1694 ¥ in Grabow der Junggeselle
Emanuel Ludolf Sellschop, Organist zu Ruppin, Anna Marie Marnitz vidua und der
Schuhmacher Joachim Marnitz holt sich seine 2. Frau Anna Margarethe Frölings
Witwe aus Beutzenburg (¥ 3.VI.1697). In Grabow †
2.VII.1738 "Herr Marnitz aus der Mark, so durch Grabow gereiset."
Wir finden den Namen Marnitz später auch in anderen Orten
Mecklenburgs, so z. B. in Güstrow, wo am 13.VIl.1744 der Zimmermeister Joachim
Marnitz aus Strelitz und am 2.X.1756 der
Amtsknopfmacher Johann Heinrich Marnitz in die Bürgerliste eingetragen werden.
Die Seltenheit des Familiennamens Marnitz, die Gleichheit
der Vornamen und Berufe, lassen ziemlich bestimmt auf einen Zusammenhang mit
dem späteren baltischen Zweige schließen. Dieser lässt sich zuerst im Anfang
des 17. Jahrhunderts in Oebisfelde (Reg.‑Bez. Magdeburg) nachweisen. Er
muss Neubürger gewesen sei, da in der Oebisfelder Bürgerliste von 1585 kein
Marnitz verzeichnet ist. Nun wurde das Schloß Oebisfelde im Jahre 1485 von einem
Georg v. Bülow durch Kauf von den Gebrüdern v. Bodendick, seinen Schwägern,
erworben. Georg v. Bülow entstammte der Linie Gartow in Mecklenburg. Es
erscheint also nicht ausgeschlossen, dass der, Stammvater der Oebisfelder und
damit der baltischen Marnitz im Dienste dieser Bülow´s von Mecklenburg, dorthin
übergesiedelt ist, während die spätere Grabower Linie in der ursprünglichen
Heimat blieb.
Die Stammreihe der
baltischen Familie beginnt mit‑ dem N. N. Marnitz in Oebisfelde der dort um 1602
lebte und vor 1651 †. Er scheint ein ganz wohlsituierter Mann gewesen zu sein,
da er seine Söhne Johannes *1921 und Caspar *1624 , wie seinerzeit üblich, sofort
nach der Geburt an der Universität Helmstedt immatrikuliert. Seine Frau Clara
Elisabeth (*1603, † 1674) ¥ bereits betagt 1651 den
Schneidermeister Ludolf Lüdemann. Diese Ehe und die Höhe der in Königsberg
entrichteten Studiengebühr lassen vermuten, dass N.N. Marnitz ein gutsituierter
Scheidermeister war. Aus der Seelenrevisionliste von 1580 und den ab 1651 geführten
Kirchenbüchern ist ersichtlich, dass er als einziger Marnitz seinen
Lebensmittelpunkt in Oebisfelde hatte.
Caspar M. (4) * 1624 wurde nach
seinem 1636 begonnen Studium in Königsberg im Jahre 1639 Diaconus zu
Weferlingen i. Kr. Gardelegen und 1641 Pastor in dem nahe gelegenen Dorfe
Eschenrode, wo er 1686 † und in der Kirche beigesetzt wurde. Nachweisbar ist
nur die Ehe mit Elisabeth Wispers,
die nach ihrem Tode an der Seite ihres Ehemannes beigesetzt wurde (Kirchenbuch
von Eschenrode).
Der älteste bekannte Sohn Joachim (5) * 1642, ließ
sich als Schneider in Neuhaldensleben nieder, wo er 1687 Lucia Dressler, eines Schneiders Tochter, freite. Nicht
verzeichnet in der Übersichtstafel ist der aus Eschenrode stammende Christian
Marnitz, der 1678 an der Uni Helmstedt Theologie studierte.
Auch dessen Söhne Joachim Heinrich (7) und Johann
Christoph (9) blieben dem Schneiderberufe treu und die einzige Tochter Dorothea
¥ 1720 den Schneider Schrader. Joachim Heinrich verlässt die
Heimat, und zieht nach Wenden, einer Stadt im vom nordischen Kriege
heimgesuchten Livland. Er heiratet Maria Helena Gerhard die Tochter des
Aeltermann kl. Gilde und Weißgerbers Johann Gerhard, Großtochter des
Aeltermanns Michael Köller. 1724 gehört Joachim Heinrich ein Holzhaus,
die Nr. 94 der Häuserliste Wendens. Viele Jahre ist es ihm vergönnt, als
Aeltermann kl. Gilde, die Geschicke der Zunftgenossen zu leiten. Ungeklärt ist,
ob er wie Seuberlich 1906 in dem Buch die Bürger Wendens festhält bereit 1740
gestorben ist, oder ob, wie Seublich 1926 schreibt, „die 1758 einsetzende
Verfolgung der Wendenschen Bürger durch die Gewaltsame Angliederung der Stadt
an Schloß Wenden ihn, wie viele Mitbürger zum Verlassen Wendens genötigt hat,
da in seinem Hause wiederholt Besprechungen über die Notlage der Stadt und die
Maßnahmen stattfanden, die man zur Abschüttlung des Bestouscheffschen Jochs zu
ergreifen suchte. Leider ließ es sich bisher nicht ermitteln, wohin er
auswanderte und wo er starb“. Hierzu sei vermerkt, dass die Kirchen bücher Wendens
erst ab 1758 vorhanden sind, er 1758 bereits 70 Jahre alt gewesen wäre und sein
Name in den vorhandenen Stadtakten nach 1724 nicht mehr auftaucht. Seine 4
Söhne 1.Johann Joachim (14), 2. Michael (15), der seinen Vornamen nach
seinem Urgroßvater Keller erhielt, einem um die kl. Gilde verdienten Mann, ‑
3. Jakob (16) und 4. Phillip (17) wurden
Kaufleute, haben bis auf Jakob, der unvermählt †, Töchter aus angesehenen
Kaufmanns‑ und Literatenfamilien geheiratet und wurde mit verschiedenen städtischen Aemtern
betraut.
Michael(15), Kaufmann und Ältermann der Großen Gilde, verheiratet mit Maria
Geralder, handelte mit den Bauern und betrieb in Wenden eine Schänke. Er gehörte
ab 1759 zum Rat der Stadt Wenden an. Zu dieser Zeit, erforderte die Verwaltung
des Amtes eine ganze Persönlichkeit, da der Kampf der Bürgerschaft mit dem
Reichskanzler Bestouscheff, dem Günstling der Kaiserin Elisabeth, noch kein
Ende gefunden hatte, sondern im schärfsten Maße geführt wurde. In seinem Hause
fand 1766 auch die Versammlung zur Wahl der Deputation zur großen
Gesetzkommission in Moskau statt. 1781 zum Bürgermeister erwählt reiste er 1783
zum Landtage nach Riga und war bei der Aufhebung des Alten Rats 1787
Oberwaisenherr, Inspektor der Schulen und Kirchenvorsteher, hochgeehrt von
seinen Mitbürgern, denen er auf seine Kosten ein Hospital bauen ließ, das am 7.
VII. 1762 eingeweiht wurde. Das von ihm erbaute steinerne Marnitzsche Haus
(Ronneburger Straße Nr.15) wurde an die Stadt verkauft und diente fortan als
Rathaus. Dieses Haus steht heute unter Denkmalschutz, ebenso wie der Nachbau
des von Michael der Stadt geschenkten ersten Hospitals. Er starb 1805 im Haus
seines Sohnes Michael auf Gut Ronneburg Neuhof.
Michaels zweiter Sohn Michael
Christoph (19), Ältester der Großen Gilde und der Bürgerschaft, gehörte dem
Stadtrat an und war Quartiermeister,
Kirchenvorsteher und 1787‑95 Stadthaupt in Wenden, verheiratet mit der
Rigaschen Apothekers Tochter Margarethe Praetorius. Sein steinernes Haus
(Ronneburger Straße Nr. 16) ist in der Brotzischen Sammlung Livländischer
Altertümer zu sehen. In diesem Haus betrieb er bis zu seinem Tode eine
Schankwirtschaft, besaß an der Rigaschen Forte eine Walkmühle und war zumeist
der größte Steuerzahler der Stadt Wenden. Er blieb zeitlebens Wendener Bürger,
auch als er nach 1795 außerhalb der Stadt auf seinen gepachteten Gütern lebte.
Die Seelenrevision von 1811 weist ihn als Verantwortlichen des Gutes
Ronneburg-Neuhof und Herren über 17 Hof- und 361 Getenderleute aus. Michael
Christoph wurde 1812 in Wenden begraben, sein Grab und der Grabstein sind noch
vorhanden. Seine Frau lebte bis zu ihrem Tode im Jahr 1828 auf einem Anwesen
außerhalb der Stadt Wenden. 1812 wurde
er auf dem Deutschen Friedhof in Wenden begraben. Sein im letzten Weltkrieg
zerstörter Grabstein wurde im Jahre 2008 von mir restauriert und wieder
aufgetsellt.
Seine ältesten Söhne, Friedrich
(24) und Carl (25) studierten in Dorpart, Gustav (29) wurde Kaufmann und
Wraker in Riga, Eduard (30) russ. Offizier und Ernst (31) ein wohlsituierter
Apotheker am Obuchow‑Hospital in Petersburg.
Friedrich von
Marnitz(24),
Ritter und Collegien-Assessor, besuchte, als erster Marnitz aus diesem Zweige
nach einer langen Pause von 179 Jahren wieder eine Universität. Als
Schulinspektor wurde er am 31.1.1839 in den 8. Rang befördert und in den
russ.erblichen Adel erhoben. Der Adel wurde in das Russische Adelsregister
eingetragen und der Name in „von Marnitz“ geändert. Am 14.3.1834 wurde er
Ritter des Ordens des Heiligen Stanilaus (4., später 3. Klasse) und am
8.11.1841 Ritter des Ordens des Heiligen Wlademir (4. Klasse). Seien
Personalakten befinden sich im Lettischen Historischen Archiv in Riga, die
Adelsakten aus dem Jahr 1839 in St. Petersburg (Best. 1343, Rep. 25, St.
1785-1786). Er war in I. Ehe mit Beata von Schulmann verheiratet.
Sein Sohn aus Erster Ehe, Ludwig
von Marnitz, studierte an der Universität Dorpart Theologie und war 30
Jahre Pastor in Papendorf. Sein Grab in
Papendorf besteht noch immer und wurde im Sommer 2005 restauriert. Er war verheiratet
mit Alexandra von Erberg, die auf dem von ihrem Großvater Ferdinant
Kruhse gekauften Gut Radzuni geboren wurde. Von dem Gut ist neben Gebäuderesten
auch der Friedhof mit den Gräbern von Ferd. Kruse und seiner Tochter Anette
von Erdberg erhalten geblieben.
Ludwigs Sohn, mein Großvater Xaver
von Marnitz, studierte in Dorpart
Theologie, war Pastor in St. Olai, in Lasdohn und in Uexküll, wo er später zum
Probst des Kirchenkreise gewählt wurde. Er wurde am 30.1.1919 von den
Bolschewiken in Riga ermordet, seine Grabstelle ist leider nicht mehr zu
ermitteln. Er war in zweiter Ehe mit Wilhelmine
Anna Else Berting verheiratet, Tochter des Gutsbesitzers Georg Berting,
dessen Grab in Neuwacken noch vorhanden ist.
Die Genealogie der Familie wurde
1927 von Erich Seuberlich auf den Seiten 317 und 318 der „deutsche Stammtafeln
in Listenform“ Band I Beiheft I
Stammtafeln Deutsch-baltischer Geschlechter veröffentlicht. Diese leider nicht
immer fehlerfreie Ausarbeitung wurden von mir nach Durchsicht der in verschiedenen
Archiven vorhandenen Unterlagen überarbeitet und ergänzt.
Mein Vater (75) , Meinhard
Marnitz, studierte und promovierte an der Technischen Hochschule in Danzig.
1934-45 war er huptamtlicher SA-Führer, zuletzt SA Gruppenführer, in
Allenstein, Weimar und Kiel. 1939-44 als OLt. Zur See Komandant eines
Minenschuchbootes. Nach der Entlassung aus Britischer Kriegsgefangenschaft im
Jahre 1948 arbeitete er zunächst als Angestellter in der Bauindustrie und ab
1962 im eigene Ingenieurbüro für Bauwesen. In I. Ehe war er mit Marianne Erna
Adelheit Wolf verheiratet, in II. Ehe mit Elisabeth Minna Maria Heime.
Ich selbst, geb 28.12.1944 in
Eutin, lebe zusammen mit meiner Frau, Brigitte Winkler, in meinem Haus auf
Fehmarn. Nach Bundewehr und Abitur habe ich an der Technischen Universität in
Berlin Bauingenieurswesen, mit dem Spezialgebiet Verkehrsplanung studiert. Nach
dem Examen war ich in Hamburg als wissenschaftlicher Referent in der
Nahverkehrsforschung tätig, wechselte zur Berufsgenossenschaft und habe nach
entsprechender Ausbildung die Beamtenprüfung für den Höheren Technischen Dienst
erfolgreich abgelegt. Nach meinem Umzug nach Fehmarn war ich als
Geschäftsfführer und Lehrkaft an verschiedenen Volkshochschulen tätig. 9 Jahre gehörte
ich dem Gemeinderat an und war 4 Jahre Kreistagsabgeordneter. 2006 bin ich in Rente gegangen und verbringe
seither die Hälfte des Jahres auf Reisen im Ausland, wobei ich besonders meiner
Leidenschaft, dem Skifahren nachgehe. Mein Sohn heißt Thorsten Meinhard von
Marnitz, Max Merlin von Marnitz, geb 25.7.001 ist mein Enkel. Meine direkten
Vorfahren sind unterstrichen dargestellt.
Dipl.-Ing C. Meinhard von Marnitz
